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Mono no aware
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Mono no aware (japanisch: ç©ăźćă) ist ein zentrales Ă€sthetisches Konzept der japanischen Kultur, das tief in Shinto- und buddhistischen Glaubensvorstellungen verwurzelt ist. Es beeinflusst die Wahrnehmung der Welt und die WertschĂ€tzung von Kunst und Literatur und ist ein wichtiger Aspekt der japanischen IdentitĂ€t.
Der Begriff beschreibt die VergÀnglichkeit der Dinge und die damit verbundene sanfte Melancholie sowie das tiefe Empfinden von Schönheit und Traurigkeit. Es ist eines der zentralen Konzepte der japanischen Kunst, Literatur und Philosophie.
Contents
âą Geschichte
âą Keramik
âą Zen-Buddhismus
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Etymologie und Bedeutung
Der Ausdruck leitet sich vom japanischen Zeichen mono (ç©) ab, was âDingâ bedeutet, dem Partikel no, was âvonâ bedeutet, und dem Wort aware (ćă), das in der Heian-Zeit ein Ausdruck gemessener Ăberraschung war (Ă€hnlich wie âahâ oder âohâ), was in etwa mit âPathosâ, âErgreifungâ, âtiefes GefĂŒhlâ, âSensibilitĂ€tâ oder âBewusstseinâ ĂŒbersetzt werden kann. Der Begriff Mono no aware wurde bereits mehrfach ĂŒbersetzt, beispielsweise mit âPathos der Dingeâ und âEmpfindsamkeit der Dingeâ. Auch der lateinische Ausdruck lacrimae rerum wurde herangezogen.cite-ref-2[2]
Die Bedeutung des Ausdrucks mono no aware ist vielschichtig und hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. GrundsĂ€tzlich bezieht er sich auf ein âPathosâ (aware) der âDingeâ (mono), das sich aus ihrer VergĂ€nglichkeit ergibt. In der klassischen Anthologie japanischer Poesie aus dem achten Jahrhundert, ManyĆshĆ«, wird das GefĂŒhl von aware typischerweise durch die klagenden Rufe von Vögeln oder anderen Tieren ausgelöst. Auch im ersten Roman der Welt, Murasaki Shikibus Genji monogatari (Das MĂ€rchen von Genji) aus dem frĂŒhen elften Jahrhundert, spielt es eine wichtige Rolle.cite-ref-0-3-0[3]
Aufgrund des Einflusses des Buddhismus in Japan wurde der Ausdruck auch mit der VergÀnglichkeit alles Seienden (Anicca) in Verbindung gebracht. Anica ist eines der Drei Daseinsmerkmale des Buddhismus. Es besagt, dass alles dem Wandel unterworfen und nichts von ewigem Bestand ist.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bedeutung zu einem Bewusstsein fĂŒr die VergĂ€nglichkeit des Lebens und der Dinge, das von einer sanften, aber tief empfundenen Melancholie begleitet wird.
Der Begriff hat einen allmĂ€hlichen Bedeutungswandel erfahren, wobei er âvon Anfang an ein GefĂŒhl besonderer Art darstellte: ânicht eine mĂ€chtige Woge der Leidenschaft, sondern eine Emotion, die ein Gleichgewicht enthĂ€lt...ââ.cite-ref-4[4]
Geschichte
Der SchlĂŒsselbegriff âmono no awareâ ist ein zentrales Element der japanischen Kultur.cite-ref-5[5]
Das Konzept des Mono-No-Aware hat seinen Ursprung in der traditionellen japanischen Religion und wurde maĂgeblich vom Shintoismus geprĂ€gt, wobei auch buddhistische Prinzipien eine Rolle spielten. Der Shintoismus, der hauptsĂ€chlich in Japan verbreitet ist, zielt darauf ab, ein gesteigertes Bewusstsein des Einzelnen in Bezug auf die umgebende Umwelt zu fördern. Er betont Offenheit und SensibilitĂ€t fĂŒr die in der Welt vorhandene Energie. SpĂ€ter, mit der EinfĂŒhrung des Buddhismus in Japan, konzentrierte sich dieser Glaube auf die VergĂ€nglichkeit der Umwelt und alles, was in ihr existiert. Von da an verlagerte sich der Fokus vom bloĂen Bewusstsein hin zu einer tieferen WertschĂ€tzung der Schönheit und des Ă€sthetischen Werts der VerĂ€nderung. Die Ă€sthetische Wirkung des Prinzips besteht in der Anerkennung der VergĂ€nglichkeit allen Seins und dem Aufbau einer tiefen Verbindung zu ihm aufgrund seiner FlĂŒchtigkeit.cite-ref-6[6]
Seine Wurzeln reichen ebenfalls in die Heian-Zeit (794â1185) zurĂŒck, die maĂgeblich die japanische Ăsthetik prĂ€gte. WĂ€hrend dieser Zeit entwickelte sich der Begriff von einer einfachen Bezeichnung fĂŒr Empfindsamkeit zu einem tieferen Bewusstsein fĂŒr die VergĂ€nglichkeit des Lebens und der Dinge, begleitet von einer sanften Melancholie. In der aristokratischen Gesellschaft der Heian-Zeit galt das VerstĂ€ndnis von âmono no awareâ als Zeichen von Bildung und Kultiviertheit.cite-ref-7[7]
Die Heian-Zeit stellt die primĂ€re Ăra fĂŒr die Entstehung und Kultivierung der SensibilitĂ€t dar, die mit âmono no awareâ assoziiert wird. Die Heian-Zeit ist fĂŒr ihre aristokratische Verfeinerung und die BlĂŒte von Kunst und Literatur bekannt. In dieser Periode konnten Ă€sthetische Werte kultiviert werden. Die Aristokratie und das höfische Leben spielten eine bedeutende Rolle bei der Verfeinerung und WertschĂ€tzung dieser SensibilitĂ€ten. Das VerstĂ€ndnis von âmono no awareâ war in dieser Zeit fĂŒr gebildete MĂ€nner in der aristokratischen Gesellschaft nahezu obligatorisch. Bereits in der frĂŒhen Literatur der Heian-Zeit findet sich âAwareâ als ausrufender Partikel, der tiefe Emotionen in Gemeinschaft mit der flĂŒchtigen Schönheit ausdrĂŒckt, wie in den Werken Genji Monogatari und der Gedichtsammlung Man'yĆshĆ«. Die Entstehung von âmono no awareâ im verfeinerten Kontext des Heian-Hofes deutet darauf hin, dass es sich zunĂ€chst um ein Ă€sthetisches Ideal der Elite handelte, das möglicherweise ihre privilegierte Position widerspiegelte, die SubtilitĂ€ten des Lebens und der Natur zu beobachten und zu schĂ€tzen.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]
Mono no aware ist auch ein Konzept der traditionellen Literaturkritik Japans, das zu den bekanntesten seiner Art gehört.cite-ref-10[10] Das Konzept wurde im 18. Jahrhundert von dem japanischen Gelehrten Motoori Norinaga (1730â1801) systematisiert und als zentrales Merkmal der klassischen japanischen Literatur herausgestellt. Besonders in der Genji Monogatari (âDie Geschichte vom Prinzen Genjiâ), einem bedeutenden Werk der Heian-Zeit (794â1185), sieht Norinaga eine meisterhafte Darstellung von mono no aware. Norinaga kritisierte den ĂŒbermĂ€Ăigen Rationalismus des Konfuzianismus und argumentierte, dass wahre Ăsthetik und Weisheit aus einem tiefen MitgefĂŒhl fĂŒr die Welt und ihre VergĂ€nglichkeit entstehen. Diese Idee beeinflusste maĂgeblich die japanische Kunst und Literatur bis in die Moderne.
In diesem Zusammenhang betont Norinaga, dass das GefĂŒhl von mono no aware so tiefgreifend sein kann, dass Anspielungen auf die Sinne, wie etwa âdas GerĂ€usch des Windes oder der Grillen, die Farbe der Blumen oder des Schneesâ, den einzig treffenden Ausdruck darstellen.cite-ref-11[11] Dieser Gedanke fand auch in der Moderne bedeutende Vertreter, unter ihnen der japanische Schriftsteller und NobelpreistrĂ€ger Yasunari Kawabata (1899â1972), der mono no aware nachhaltig befĂŒrwortete.cite-ref-12[12]
Kunst und Literatur
Mono no aware ist in vielen klassischen Werken der japanischen Literatur und Kunst prĂ€sent. Die japanische Kultur ist in hohem MaĂe von dem Motiv der VergĂ€nglichkeit geprĂ€gt, welches sich in verschiedenen Kunstformen widerspiegelt. In der japanischen Dichtung manifestiert sich diese Auffassung insbesondere in Tanka- und Haiku-Gedichten, die oft die Schönheit vergĂ€nglicher Momente einfangen, wie etwa fallende KirschblĂŒten oder einen herbstlichen Sonnenuntergang. Auch im traditionellen Theater, insbesondere in den Formen des NĆ- und Kabuki-Theaters, spielt die VergĂ€nglichkeit eine zentrale Rolle und spiegelt sich in den Themen und Darstellungen wider. In der Malerei und der japanischen Kalligrafie (ShodĆ) werden hĂ€ufig natĂŒrliche Szenen dargestellt, die die FlĂŒchtigkeit des Augenblicks betonen und eine Ă€sthetische WertschĂ€tzung fĂŒr das VergĂ€ngliche zum Ausdruck bringen. Dieses Motiv setzt sich auch in der modernen Literatur und im Film fort: In Werken wie den Filmen von Yasujiro Ozu oder den Romanen von Haruki Murakami wird die emotionale Resonanz auf die Schönheit der Welt und ihre VergĂ€nglichkeit aufgegriffen und eine zeitgenössische Perspektive verliehen. Das Thema der VergĂ€nglichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Ausdrucksformen der japanischen Kunst und Kultur.
WertschÀtzung der Natur
âMono no Awareâ hat einen tiefgreifenden Einfluss auf die kulturelle Praxis der KirschblĂŒtenbetrachtung (Hanami), die fest in der japanischen Kultur verwurzelt ist. Bei diesem jĂ€hrlichen Ereignis wird sowohl die visuelle Ăsthetik der BlĂŒten als auch ihre VergĂ€nglichkeit gewĂŒrdigt. Die in der japanischen Kultur so geschĂ€tzte Natur der KirschblĂŒten (Sakura) zeichnet sich durch ihre kurze BlĂŒtezeit aus, die typischerweise nur etwa eine Woche andauert. Die VergĂ€nglichkeit steigert die WertschĂ€tzung ihrer zarten Schönheit und verkörpert perfekt die Essenz von âMono no Awareâ.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]
Keramik
Die Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Keramik mit einer Lackschicht repariert wird, die mit Gold-, Silber- oder Platinpulver vermischt ist, hebt den Schaden hervor und wĂŒrdigt die Geschichte und VergĂ€nglichkeit des Objekts. Dies entspricht den Prinzipien von âMono no Awareâ und Wabi-Sabi. Die Formen, Farben (oft gedĂ€mpft) und Texturen (manchmal rau) japanischer Keramiken, insbesondere solcher, die mit der Teezeremonie in Verbindung stehen, können ein GefĂŒhl von âMono no Awareâ hervorrufen. "Mono no Aware" ist ein japanischer Ausdruck, der Einfachheit, NatĂŒrlichkeit und die Schönheit der Unvollkommenheit beschreibt.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Beispiele in der japanischen Kultur
âą Herbstlaub (Momiji): Die leuchtenden Herbstfarben sind ebenfalls ein hĂ€ufiges Symbol fĂŒr mono no aware.
⹠VergÀngliche Begegnungen (Ichi-go ichi-e): Dieses Prinzip aus der Teezeremonie betont, dass jede Begegnung einzigartig und unwiederholbar ist.
Beispiele in der zeitgenössischen Kultur
Auch in der modernen japanischen Popkultur finden sich zahlreiche Anspielungen auf mono no aware. Anime, Manga und Filme greifen hÀufig die melancholische Schönheit vergÀnglicher Momente auf. Werke von Studio Ghibli, insbesondere Mein Nachbar Totoro und Chihiros Reise ins Zauberland, spiegeln diese SensibilitÀt wider.
Die Kurzgeschichte Mono no Aware des Science-Fiction-Autors Ken Liu wurde 2013 mit dem Hugo Award fĂŒr die beste Kurzgeschichte ausgezeichnet.cite-ref-17[17] Inspiriert von Werken wie dem Science-Fiction-Manga Yokohama Kaidashi KikĆ wollte Liu eine âĂsthetikâ heraufbeschwören, die vor allem darauf abzielt, im Leser âEmpathie fĂŒr das unvermeidliche Vergehen aller Dinge zu weckenâ und âdie Bedeutung der Erinnerung und der KontinuitĂ€t mit der Vergangenheitâ anzuerkennen.cite-ref-18[18]
Manga
Der Manga "Yokohama Kaidashi Kikou" regt Empathie fĂŒr das unvermeidliche Vergehen aller Dinge in einer postapokalyptischen Welt an. Auch die Anime-Produktionen "Only Yesterday" und "Mai Mai Miracle" betonen sanft das Vergehen der Zeit. Es lassen sich einige bemerkenswerte Manga-KĂŒnstler ausmachen, die ErzĂ€hlstile im Sinne von "Mono no Aware" verwenden. Hierzu zĂ€hlen Hitoshi Ashinano, Kozue Amano und Kaoru Mori. Ihre Werke zeichnen sich oft durch eine ruhige Innenschau und die Darstellung der Ăsthetik des Ephemeren aus. Themen wie die vergĂ€ngliche Jugend, das Verblassen von Romantik und der Wechsel der Jahreszeiten, die fĂŒr "Mono no Aware" von zentraler Bedeutung sind, werden in diesen modernen ErzĂ€hlformen hĂ€ufig untersucht. "Mono no Aware" ist eine relevante und einflussreiche Ăsthetik in modernen japanischen visuellen ErzĂ€hlungen. Anime und Manga nutzen hĂ€ufig die genannten Themen, um emotional resonante Geschichten zu schaffen. Diese erkunden die Schönheit und Melancholie der UnbestĂ€ndigkeit und sprechen das Publikum auf einer tiefen emotionalen Ebene an.cite-ref-19[19]
Film
In den 1970er Jahren wurde der Begriff âmono no awareâ von der japanischen und englischen Filmkritik aufgegriffen, wobei der japanische Regisseur YasujirĆ Ozu besonders hervorgehoben wurde.cite-ref-20[20] Die Filme von Ozu YasujirĆ, der oft als der âjapanischsteâ unter den japanischen Regisseuren gilt, sind eine Reihe von Ăbungen in der Vermittlung von âmono no awareâ. Ozu gelingt es, die ursprĂŒngliche Faszination fĂŒr Objekte und ihr inneres Leben, zu wecken, indem er GefĂŒhle oft durch die Darstellung der Gesichter von Dingen und nicht von Schauspielern ausdrĂŒckt. Ein Beispiel ist eine Vase, die in der Ecke eines mit Tatami-Matten ausgelegten Zimmers steht, in dem ein Vater und seine Tochter schlafen. Ein weiteres Beispiel sind zwei VĂ€ter, die in einem japanischen Trockengarten (Kare-san-sui) die Felsen betrachten, wobei ihre Haltung die Formen der Steine widerspiegelt. Auch ein Spiegel, in dem sich die Abwesenheit der Tochter spiegelt, die gerade nach ihrer Heirat das Haus verlassen hat, ist ein Bild, das das Pathos der Dinge ebenso kraftvoll zum Ausdruck bringt wie der Gesichtsausdruck des gröĂten Schauspielers.cite-ref-0-3-1[3] Ozu war dafĂŒr bekannt, dass er ein GefĂŒhl von âmono no awareâ erzeugte, das hĂ€ufig darin gipfelte, dass eine Figur sehr zurĂŒckhaltend âIi tenki desu ne?â sagte. (ăă怩æ°ă§ăă, âSchönes Wetter, nicht wahr?â), nach einem familiĂ€ren und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, etwa der Verheiratung einer Tochter, vor dem Hintergrund eines sich rasch verĂ€ndernden Japans.cite-ref-21[21]
Auch Akira Kurosawas Bilanz eines Lebens und Shohei Imamuras Schwarzer Regen wurden mit dem Begriff Mono no aware in Verbindung gebracht.cite-ref-22[22]
Vergleich mit westlichen Konzepten
WĂ€hrend westliche Konzepte der VergĂ€nglichkeit oft mit Tragik oder einem linearen Fortschrittsdenken verbunden sind, sieht mono no aware die VergĂ€nglichkeit als integralen Bestandteil der Schönheit des Lebens. Es Ă€hnelt in gewisser Weise der romantischen Vorstellung der âSehnsuchtâ oder dem buddhistischen Prinzip UnbestĂ€ndigkeit (Anicca), hat aber eine spezifisch japanische emotionale FĂ€rbung.
Ivan Morris, Experte fĂŒr Die Geschichte vom Prinzen Genji (Genji Monogatari), beschreibt in The World of The Shining Prince einen grundlegenden Unterschied zwischen der japanischen und der europĂ€ischen Kultur. Er vergleicht dazu die AusdrĂŒcke mono no aware und memento mori, die jeweils zwei unterschiedliche Paradigmen widerspiegeln. Der wesentliche Unterschied liegt in der Betonung. Das Christentum erinnert uns zwar an die VergĂ€nglichkeit und Eitelkeit (Vanitas) weltlicher Dinge, geht in der Regel jedoch nicht weiter auf das Thema ein, sondern betont lieber die Dichotomie zwischen SĂŒnde und Tugend. Der japanische Buddhismus hingegen beschĂ€ftigt sich mit der vergĂ€nglichen Natur der PhĂ€nomene der weltlichen Welt. WĂ€hrend mono no aware in der resignativen Beschreibung und Kontemplation verharrt, fordert memento mori zum Handeln auf und ermutigt so zur Nutzung der momentanen Zeit.cite-ref-23[23]
Ăhnliche Begriffe in verschiedenen Kulturen
"mono no aware" ist ein Konzept, das tief in der japanischen Kultur verwurzelt ist. Es gibt jedoch auch in anderen Kulturen und Philosophien mehrere verwandte Konzepte, die Aspekte des VerstĂ€ndnisses der VergĂ€nglichkeit und der damit verbundenen GefĂŒhle widerspiegeln. Der lateinische Ausdruck "lacrimae rerum", der "die TrĂ€nen der Dinge" bedeutet, wurde im Zusammenhang mit "mono no aware" angefĂŒhrt. Dies weist auf ein gemeinsames GefĂŒhl fĂŒr das der materiellen Welt innewohnende Pathos hin. Das Konzept von "Ubi sunt", ein weiterer lateinischer Ausdruck, der "Wo sind sie?" bedeutet, reflektiert ĂŒber die VergĂ€nglichkeit des Lebens und der Schönheit, Ă€hnlich wie das zugrundeliegende Bewusstsein in "mono no aware". Der japanische Begriff mottainai, der das Bedauern ĂŒber Verschwendung ausdrĂŒckt, kann mit der WertschĂ€tzung der Dinge aufgrund ihrer VergĂ€nglichkeit in Verbindung gebracht werden. Eine weitere japanische Ăsthetik, Wabi-Sabi, umfasst die Unvollkommenheit und UnbestĂ€ndigkeit und findet die Schönheit im natĂŒrlichen Zyklus von Wachstum und Verfall. Sie teilt den Schwerpunkt auf die VergĂ€nglichkeit mit "mono no aware", betont jedoch stĂ€rker die Unvollkommenheit. Begriffe wie Weltschmerz und Sehnsucht, die die melancholischen Aspekte der VergĂ€nglichkeit aufgreifen, sind in der deutschen Sprache verankert. Auch die Wehmut, ein GefĂŒhl zarter Traurigkeit und der Sehnsucht nach einer schöneren Vergangenheit, die Quell bitter-sĂŒĂer Freude ist, ist integraler Bestandteil der deutschen Kultur. Das portugiesische Wort saudade beschreibt ein GefĂŒhl der nostalgischen Sehnsucht nach etwas oder jemandem, den man einst schĂ€tzte, oft mit einem Hauch von Melancholie, der mit der sanften Traurigkeit von "mono no aware" einhergeht. Auch die Begriffe Melancholie und Vanitas, die beide die VergĂ€nglichkeit der irdischen Freuden betonen, weisen thematische Ăhnlichkeiten auf. Das nahöstliche Sprichwort "Auch das wird vergehen" verdeutlicht ebenfalls die VergĂ€nglichkeit aller Dinge und stimmt somit mit dem KernverstĂ€ndnis der VergĂ€nglichkeit in "mono no aware" ĂŒberein.
Zen-Buddhismus
Mono no aware spielt im Zen-Buddhismus eine bedeutende Rolle. Es verbindet die VergÀnglichkeit und die Schönheit des Lebens mit zentralen Prinzipien wie Achtsamkeit und Akzeptanz. Die folgenden Aspekte sind von besonderer Relevanz:
âą VergĂ€nglichkeit und Leere: Zen-Buddhismus betont das Konzept der âLeereâ (Shunyata), das die VergĂ€nglichkeit aller Dinge anerkennt. Mono no aware ergĂ€nzt dies, indem es die emotionale Resonanz auf diese VergĂ€nglichkeit hervorhebt, etwa durch die WertschĂ€tzung flĂŒchtiger Momente wie KirschblĂŒten.
⹠Achtsamkeit im Augenblick: Mono no aware fördert die bewusste Wahrnehmung des gegenwÀrtigen Moments, ein zentrales Element der Zen-Praxis. Dies zeigt sich in der Meditation (Zazen) und Naturbeobachtung, bei denen Schönheit und Wandel bewusst erlebt werden.
âą Ăsthetik und Akzeptanz: Beide Konzepte betonen die Schönheit in der UnbestĂ€ndigkeit. Zen-Kunst, wie etwa Gartenbau (Kare-san-sui) oder Kalligraphie (ShodĆ) reflektiert diese Philosophie durch einfache, vergĂ€ngliche Formen, die mono no aware verkörpern.
Insgesamt verbindet mono no aware Zen-Buddhismus mit einer emotionalen Dimension, indem es VergÀnglichkeit nicht nur akzeptiert, sondern als Quelle von Schönheit und Weisheit betrachtet.
Ăbersicht- und Vergleichstabelle zu den Ă€hnliche Begriffe in verschiedenen Kulturen.
| Begriff | Kultur | Ăhnlichkeiten zu âmono no Awareâ |
|---|---|---|
| Anicca | Buddhismus | Prinzip der UnbestÀndigkeit aller Dinge. |
| âAuch dies wird vergehenâ | Nahost | Betont die FlĂŒchtigkeit aller ZustĂ€nde. |
| Han | Koreanisch | Komplexes GefĂŒhl von Trauer und Bedauern. |
| Melancholie | Universal | Durch Schwermut, Schmerz, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit geprĂ€gte GemĂŒtsstimmung. |
| Lacrimae rerum | Latein | âDie TrĂ€nen der Dingeâ, Ausdruck fĂŒr die Tragik der Welt. |
| Mottainai | Japanisch | Bedauern ĂŒber Verschwendung, WertschĂ€tzung fĂŒr Dinge. |
| Saudade | Portugiesisch | Melancholische Sehnsucht nach etwas Verlorenem. |
| Sehnsucht | Deutsch | Inniges Verlangen nach Personen, Sachen, ZustÀnden oder Zeitspannen |
| Ubi sunt | Latein | âWo sind sie?â, beklagt das Verschwinden von Menschen und Dingen. |
| Vanitas | EuropÀisch | Symbolisiert die VergÀnglichkeit des Lebens. |
| Wabi-sabi | Japanisch | Ăsthetik der Schönheit in Unvollkommenheit und VergĂ€nglichkeit. |
| Weltschmerz | Deutsch | Leiden an der Welt, idealistische Sehnsucht. |
Siehe auch
âą HĆjĆki, eine japanische literarische Wehklage ĂŒber die VergĂ€nglichkeit der Dinge und des Lebens.
âą Zentraler Leitgedanke der Musik der Band The Midnight ist âmono no awareâ
Literatur
âą Sabine FrĂŒhstĂŒck, Sepp Linhart, eds. The Culture of Japan as Seen through Its Leisure. State University of New York Press (1998). ISBN 978-0-7914-3792-6.
âą Glenn Kreuter, mono no aware â The Integration of Pathos and Ethos in the Japanese Aesthetics by Motoori Norinaga. Application for a Philosophy of Arts in a Global World, Hamburg 2020, ISBN 978-3-339-11644-4.
âą Kato, Kazumitsu (1962). Some Notes on Mono no Aware. Journal of the American Oriental Society 82 (4): S. 558â559.
âą Yuriko Saito, (1985). The Japanese Appreciation of Nature. The British Journal of Aesthetics. 25 (3): 239â251. doi:10.1093/bjaesthetics/25.3.239. ISSN 0007-0904.
Weblinks
⹠Mono no aware: Die sanfte Empfindsamkeit des UnbestÀndigen
Einzelnachweise
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